ergotherapie für erwachsene

Ergotherapie für Erwachsene

Obwohl es sich niemand wünscht, kann jeder von heute auf morgen einen Unfall mit schweren Folgen erleiden, in eine schwere Krankheit geraten, oder wegen Demenz Schwierigkeiten bekommen, schon die „alltäglichsten“ Dinge geregelt zu bekommen. Nichts ist dann mehr wie zuvor und es ist Hilfe und Unterstützung notwendig. Ergotherapie kann Erwachsenen dann dabei helfen, soviel Freiheit wie möglich für das eigene Leben zurückzuerlangen. Betroffene erarbeiten sich mehr Selbstständigkeit in Bewegung oder Geist — Angehörige finden wieder etwas mehr Zeit für sich selbst. 

Zu Beginn möchten wir Sie als Patienten gerne näher kennenlernen. Dazu führen wir ein Gespräch mit Ihnen persönlich, oder mit Ihnen als betreuuenden Angehörigen, so dass Sie die Gelegenheit haben, uns mitzuteilen, worauf Sie besonderen Wert legen. Wir werden über die medizinische Verordnung und den Ablauf der Therapie detailliert sprechen, wobei uns Beobachtungen und Tests dabei helfen, einen möglichst deutlichen Befund als Grundlage für die sich daraus ergebenen Behandlungsansätze zu erstellen.

Sie als Patient, bzw. Sie als Angehörige werden verstehen, wozu die Ergotherapie durchgeführt wird und es wird ein deutlicher Bezug auf alltägliche Handlungsprobleme erstellt und anhand der ICF-Definition erklärt.

Wir möchten für unseren Patienten das beste Behandlungsergebnis erzielen. Deshalb legen wir sehr großen Wert auf das Gespräch mit Ihnen als Patient, bzw. Eltern, mit Ärzten und Angehörigen durch Beratung und Therapiebegleitung. Ergänzend arbeiten wir mit Kindergärten, Schulen, Logopäden, Psychologen, Physiotherapeuten und mit weiteren interdisziplinären Kollegen zusammen.

Ergotherapie bereitet Schlaganfall-Patienten auf den Alltag vor

Anziehen, Einkaufen, Baden, Waschen, Zähneputzen – diese alltäglichen Tätigkeiten müssen viele Schlaganfall-Patienten Schritt für Schritt wieder einstudieren. Oft sind sie körperlich so beeinträchtigt, dass es ihnen schwer fällt, den Pullover über den Kopf und die Hose hoch zu ziehen. Auch die Handlungsplanung bereitet meistens Schwierigkeiten. Das bedeutet: Die Patienten wissen beispielsweise oft nicht mehr, ob sie zuerst das Unterhemd oder den Pullover anziehen sollen oder an welchem Ende sie die Hose halten müssen.

Praktische Übungen: Kaffee kochen, Einkaufen und Kochen

Ergotherapeuten bieten Schlaganfall-Patienten Unterstützung bei diesen Alltagsproblemen, proben mit ihnen zum Beispiel in einer Übungsküche das Kaffee kochen. In manchen Fällen führt der Ergotherapeut die Handlung des Patienten richtiggehend: Beim Schreibtraining kann es vorkommen, dass er sich hinter den Patienten stellt und die Aufmerksamkeit durch engen Körperkontakt und Berührung des Handrückens auf die Handlung lenkt. Dieses intensive Lenken eignet sich besonders, wenn der Patient unter einem Neglect leidet. Die Handlungsplanung lässt sich besonders gut beim Kochen trainieren: Der Patient muss zunächst die Zutaten notieren, anschließend geht er zusammen mit dem Ergotherapeuten in einen Supermarkt, um die Einkaufsliste abzuarbeiten. Danach wird gekocht, was – das merken auch Gesunde – extrem viel Konzentration, Handlungsplanung und Zeitmanagement erfordert.

Zu den Aufgaben der Ergotherapeuten gehört außerdem, Hilfsmittel auszuwählen und den Patienten sowie die Angehörigen mit einem Rollator, einem Badewannenlifter und Ähnlichem vertraut zu machen. Schließlich bleiben Hilfsmittel oft ungenutzt – werden schlimmstenfalls sogar zu einer Gefahr –, wenn die Familie sie nicht richtig zu nutzen weiß. Auch Übungen zur Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln gehören zum Maßnahmenkatalog der Ergotherapie genauso wie Hausbesuche zur eventuellen Wohnraumanpassung.

Ergotherapeuten kennen Tricks bei Gedächtnisschwäche

Überhaupt sind Ergotherapeuten Experten für alle Alltagsfragen: Wenn etwa ein Patient im Supermarkt nie seinen Einkaufswagen wiederfindet, empfehlen sie ihm beispielsweise, seinen Schal oder die Mütze an die Lenkstange zu hängen.

Ziele der Ergotherapie die wir gemeinsam erreichen wollen

  • Training motorisch-funktioneller Fähigkeiten
  • Verbesserung der Wahrnehmung und Ausführung von Bewegungen
  • Schulung zur Bewältigung (täglicher) lebenspraktischer Aufgaben
  • Förderung der Eigenaktivität des Patienten zur Verbesserung seiner Lebenssituation
  • Schulung der Patienten im Umgang mit Hilfsmitteln
  • Beratung und Anleitung von Angehörigen zur Unterstützung der betroffenen Person

Einen elementaren Bereich stellt also das Üben lebenspraktischer Tätigkeiten dar. Durch Verbesserung, Wiederherstellung oder Kompensation der beeinträchtigten Fähigkeiten soll dem Patienten eine möglichst große Selbstständigkeit und Handlungsfreiheit im Alltag ermöglicht werden (beispielsweise durch Wasch-Anzieh-Training mit Schlaganfallpatienten oder Förderung der Wahrnehmung bei entwicklungsverzögerten Kindern). Neben geeigneten Übungen soll auch der Einsatz von Hilfsmitteln dazu beitragen, dass die verbleibenden Fähigkeiten angepasst werden und so ein Optimum an Rehabilitation erreicht wird.

Ziel der Ergotherapie ist es, Menschen dabei zu helfen, ihren Alltag in Beruf, Schule, Kindergarten oder Familie besser zu bewältigen. Bei der ergotherapeutischen Betrachtungsweise stehen nicht die oberflächlichen Einschränkungen und Krankheitszeichen im Vordergrund, sondern die zugrunde liegenden Ursachen. Durch gezielte Verbesserung bei den Ursachen mit anerkannt erfolgreichen Methoden, kann Menschen (wieder) dazu verholfen werden, den Anforderungen ihres Lebens weitgehend und zur eigenen Zufriedenheit gerecht zu werden.